Blick ins Buch!

Mit einem selbstgebauten Hausboot fuhren Helmuth, seine Frau Gaby und ihr Sohn Florian 2.108 Kilometer über die Donau bis zum Schwarzen Meer. Was sie in sechs Wochen erlebt haben, ist in diesem Buch zusammengefasst.
Anker lichten, Leinen los. Die Reise beginnt.

Vorwort

Es kann dich der Blitz erschlagen, du streifst einen Lottogewinn ein, oder du bekommst von der Feuerwehr ein ausgedientes A-Boot. Nun hat das Schicksal entschieden, uns dieses A-Boot zukommen zu lassen. Kismet. Übrigens »Uns«, das sind die Chefin Gabriele, der Skipper Heli und Oberbootsmannssmart Florian. Weiters gibt es noch zwei Landratten namens Daniel und Paul. Besten Dank an Herrn Hackl von der Berufsfeuerwehr Linz für die Lieferung des »fliegenden Holländers« und danke an meine Frau, dass ich das Boot in ihre geliebte Blumenwiese stellen durfte. Die Danuvius ist ein ehemaliges Feuerwehr-A-Boot, ein Feuerwehrarbeitsboot.

Seit seiner Kindheit liebt Helmuth die Donau. Vermutlich haben ihm diese Zuneigung seine Großväter in die Wiege gelegt. Beide waren sehr eng mit der Donau verbunden, einer als Fährmann bei der Rollfähre in Mauthausen und der zweite als Steuermann auf einem Donauschiff. Also Wasser spielte schon immer eine große Rolle in Helmuths Leben. Jahre vor unserer Reise träumte Helmuth davon, die Donau von Mauthausen bis an das Schwarze Meer mit seinem eigenen Boot zu befahren. Damals war es nicht vorstellbar, so ein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Zum Ersten hatten wir drei kleine Söhne und zum Zweiten zu wenig Geld. Wir hatten weder ein eigenes Boot noch die finanziellen Möglichkeiten, uns eines zu kaufen. Daher träumte Helmuth weiter von seiner Lebensreise, die er einmal in der Pension verwirklichen werde.

Da ich mit dem Wasser nicht so verbunden war und auch Angst davor hatte, beschäftigte mich dieser Traum nicht so intensiv. Immer wieder aber kam das Thema zur Sprache und damit auch der Wunsch, eine Donaureise mit mir zu machen. Durch die vielen Gespräche wuchs auch bei mir die Freude, ein solches Abenteuer zu bestreiten und irgendwann träumten wir gemeinsam von unserer Lebensreise.
Bis zur Pensionierung hatten wir allerdings noch viele Jahre vor uns. Und das Schicksal meinte es anders.
Es ereigneten sich im Familien- und Bekanntenkreis einige Schicksalsschläge, die uns zum Nachdenken brachten. Ebenso die Tatsache, dass Menschen ihre Träume im Ruhestand meistens nicht mehr in die Tat umsetzen konnten. Auch die Feststellung, dass Menschen, die in jungen Jahren keine Abenteuer unternommen hatten, sie auch im Alter nicht mehr machen werden. Also: Wer jetzt nicht mit dem Rad Urlaub macht, wird auch nicht in der Pension in die Pedale treten. Daher beschäftigte sich Helmuth immer intensiver mit unserem Traum, um ihn früher wahr werden zu lassen.
Durch Zufall erfuhren wir, dass die Feuerwehr ihre sogenannten A-Boote auswechselte und die alten eventuell zu kaufen wären. Wir erwarben eines dieser Boote, und unser Traum rückte näher. Da in der Zwischenzeit unsere beiden ältesten Söhne, Daniel und Paul, arbeiten gingen, konnten wir sie einige Wochen allein zu Hause lassen. Die Versorgung übernahmen die Großeltern. Wir beschlossen, unseren jüngsten Sohn, Florian, mitzunehmen. Er liebt das Wasser, und die Sommerferien waren lange genug. Ein großes Problem war gelöst, aber es gab ein Zweites. Helmuth und ich standen beide im Berufsleben und keiner von uns hatte sechs Wochen Urlaub – die Zeit, die wir uns für die Reise nehmen wollten. Wir traten mit unserem Anliegen an die Arbeitgeber heran, und sie gewährten uns unsere Bitte. Von diesem Tag an wurde geplant.

Zwei Schleusen und ein Problem

Mit heftigem Rückenwind und starker Strömung erreichen wir schon um 12.50 Uhr die Schleuse Altenwörth. Nach kurzer Wartezeit werden wir mit dem Einzelfahrer Tauber aus Würzburg um 13.10 Uhr in die Schleuse eingelassen. Das Kraftwerk Altenwörth hat eine Größe von (2 x) 240 m Länge, eine Breite von 24m und eine Fallhöhe von 16,00 m. Es wurde von 1973 bis 1976 erbaut.

Wie immer hält uns Gaby an der Schleusenwand fest, und wir verlassen Altenwörth ohne Probleme um 13.45 Uhr. Ulrich macht das Bootfahren Spaß, er übernimmt das Steuer von Kilometer 1965 bis zu Kilometer 1950 beim Kraftwerk Greifenstein. Florian spielt auf der Plattform mit seinen Actionmännern, Gaby liest das Buch Der Hund aus Terracotta, und Heli trinkt ein Sechzehner-Blech, man kann auch Ottakringer Bier dazu sagen. Der Bootsführer des Sportbootes Chaos, der uns seit der Schleuse Altenwörth begleitet, teilt uns mitten auf der Donau mit, dass er die Chaos und unsere Danuvius schon per Funk bei der Schleuse Greifenstein zur Talschleusung angemeldet hat. Ich bedanke mich bei dem Chaoten, leider habe ich ohne Funk keine Möglichkeit, den Hintergrund seines Bootsnamens zu erfragen. Im Internet finde ich nur zwei logische Erklärungen für die freiwillige Annahme dieses Namens.

In der Theogonie des griechischen Dichters Hesiod ist das Chaos als Urzustand der Welt erklärt: »Wahrlich, zuerst entstand das Chaos und später die Erde….« (Vers 116) oder es ist eine tiefe Bergschlucht auf der Peloponnes gemeint.

Vor der Schleuse Greifenstein warten wir bei der Kaimauer auf weitere Personenschiffe, die natürlich Vorrang haben. Ich kann es kaum glauben, aber die Schleuse Greifenstein kann gleichzeitig fünf riesengroße Personenschiffe zu Tal bringen. In die linke Kammer fahren die Beethoven aus Straßburg, die Bellevue und die Classica aus Valletta ein, in die rechte die Fidelio und die Flamenco.

Unsere Freude über die schönen Personenschiffe währt nur kurz. Nachdem ich mit dem ausgesprochen freundlichen Schleusenbeamten telefoniert habe – ich wollte wissen, ob in der Schleuse tatsächlich noch Platz ist –, gibt er mir die Einfahrt in die rechte Schleuse frei. Links wäre ohnehin kein Platz mehr, und rechts befinden sich die Flamenco und die Fidelio. Entsprechend fidel warte ich bei der Schleusenmauer und lege den Vorwärtsgang des Tohatsu ein. Da hören wir ein ganz neues Geräusch unseres Motorveteranen, und wieder einmal geht GAR NICHTS MEHR. Nur, dass es uns diesmal fast nichts ausmacht.

Wie es bei positiv denkenden Menschen so üblich ist, haben Gaby und ich aus den Erlebnissen gelernt und schon vor dem Einfahren in die Schleuse den zweiten Motor gestartet. Normalerweise hätte sich der Puls wieder in die nun schon bekannten Höhen hinaufgeschwungen, und das Adrenalinbergwerk eine vierte Schicht eingelegt. Dies- mal sage ich einfach nur Kismet, lege den Vorwärtsgang des John- son-Außenborders ein und zwänge mich um 17.05 Uhr in die rechte Schleusenkammer.

Während des Schleusenvorganges stelle ich fest, dass der Scherstift beim Tohatsu ein zweites Mal gebrochen ist. Ich vermute, dass der Schaden durch das viele Treibholz, das sich beim Warten an der Kaimauer um die Schraube angesammelt hat, entstanden ist. Nach der Schleusenausfahrt stellt sich bei mir ein ganz ungutes Gefühl in der Magengegend ein. Es stammt daher, dass ich derzeit nur einen und dazu noch sehr alten Motor zur Verfügung habe und bei einem weiteren Motorausfall – der Tank ist diesmal voll – nur mehr den Anker werfen kann. Ob der bei der Hochwasserströmung auch hält, weiß ich allerdings auch nicht. Deshalb beschließen wir, aus Sicherheitsgründen gleich bei der nächsten Einfahrt nach sechs Kilometern in den Hafen Korneuburg einzufahren.

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    - Mit heftigem Rückenwind und starker […]

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